Quelle: Dr. Kristine Hucke, Wiesbaden (Die Geburt der Hündin) veröffentlicht in SV-Zeitung Juni 1999 II-41
Die Hündin in der
Zucht
Die Läufigkeit der Zuchthündin
Die Kontrolle der Läufigkeit ist für den Züchter die wichtigste
Voraussetzung für einen erfolgreichen
Zuchteinsatz. Dieser Teil des Zyklus verläuft jedoch bei den einzelnen Hündinnen
und
auch bei den einzelnen Zyklen einer Hündin sehr unterschiedlich.
Der Läufigkeitszyklus der Hündin
Der Zyklus der Hündin wird in vier Abschnitte unterteilt:
1. Proöstrus:
Er bezeichnet den Zeitraum zwischen dem ersten sichtbaren Austreten von
blutigem Sekret aus der Vulva und dem Einsetzen der Paarungsbereitschaft. In
dieser Phase erfolgt an den Eierstöcken (Ovarien) die Reifung der Eier
(Follikel). Die Dauer des Proöstrus beträgt 7 - 10 Tage.
2. Östrus:
So wird die Phase der Paarungsbereitschaft beschrieben. In ihr erfolgt der
Eisprung (Ovulation) sowie die Anbildung der Gelbkörper, die zur
Aufrechterhaltung einer Trächtigkeit notwendig sind. Auch sie beträgt im
Durchschnitt 7 - 10 Tage.
3. Metöstrus:
Bezeichnet die etwa neunwöchige Gelbkörperphase, die an die Zeit der
Paarungsbereitschaft anschließt sowie die Reparationsphase der Gebärmutterschleimhaut,
die etwa am 140. Tag abgeschlossen ist.
4. Anöstrus:
Die Ruhephase der Gebärmutter. Anschließend beginnt die nächste Läufigkeit.
Hormonregulierung Diese äußeren Anzeichen einer Läufigkeit werden von
verschiedenen Hormonen reguliert. Östrogene, die vom heranwachsenden Ei auf dem
Eierstock gebildet werden. Sie sind verantwortlich für die Blutung aus der Gebärmutter,
Verdickung der Scheidenschleimhaut, Schwellung der Schamlippen und der
Produktion von Läufigkeitsduftstoffen, die den Rüden anlocken sollen. Gegen
Ende der Follikelphase (Proöstrus) werden die höchsten Östrogenwerte im Blut
gemessen. Mit den Höchstwerten der Östrogene wird von der Hypophyse das
Luteinisierungshormon (LH) freigesetzt. Zusammen mit dem follikelstimulierenden
Hormon (FSH) bereitet es die Ovulation (Eisprung) vor. Bei der Mehrzahl der Hündinnen
setzt mit der Freisetzung von LH und FSH die Phase der Paarungsbereitschaft (Östrus)
ein. Zwei Tage später kommt es zum Eisprung. Innerhalb von 12 - 24 Stunden
werden die Eier (Follikel) freigesetzt. Jetzt beginnt die Wanderung durch den
Eileiter, dabei reifen die Follikel und erlangen 2 - 3 Tage nach der Ovulation
ihre Befruchtungsfähigkeit. Die Befruchtung der Hündin sollte somit 4 - 7 Tage
nach dem Beginn des Östrus (= Paarungsbereitschaft) stattfinden. Dies
entspricht dem 2. - 5. Tag nach der Ovulation. Bereits vor der Ovulation setzt
die Anbildung der Gelbkörper an den Eierstöcken ein, die in zunehmendem Maße
das Hormon Progesteron bilden. Durch den Progesteroneinfluss nimmt die
Schwellung der Genitalschleimhaut ab, die Blutgefäße der Gebärmutter werden
abgedichtet der Ausfluss wird weniger. Die Progesteronproduktion der Gelbkörper
hält während der gesamtenTrächtigkeit an.
Deckzeitpunkt
Die Angaben der Dauer der verschiedenen Zyklusphasen sind jedoch nur
Durchschnittswerte. So wird die Dauer von Proöstrusbeginn bis zur Ovulation mit
12 Tagen +/- 4 Tage angegeben wobei individuelle Schwankungen von 6 - 30 Tagen
festgestellt wurden! Hier können die sorgfältigen Aufzeichnungen des Züchters
über die Dauer der gesamten Läufigkeit sowie die Tage der Paarungsbereitschaft
wichtige Hinweise auf größere Abweichungen geben. Der genaue Zeitpunkt der
Ovulation und die damit verbundene 2 - 5 Tage spätere Befruchtung kann jedoch
nicht immer eindeutig durch äußerlich sichtbare Veränderungen bestimmt
werden. Hier helfen die typischen Veränderungen der aus der Scheide gewonnenen
Zellen (VAGINALZYTOLOGIE), die Betrachtung der Scheidenschleimhaut
(VAGINOSKOPIE) sowie die Bestimmung des mit der Ovulation beginnenden deutlichen
Anstiegs des Progesteron im Blut. Als Richtlinie gilt, wie oben beschrieben, 2
Tage nach Paarungsbereitschaft findet der Eisprung statt, und nach weiteren 2 -
3 Tagen sind die Eier befruchtungsfähig.
Störungen
Dieses komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Hormone und Organe ist anfällig
auf äußere und innere Störungen. Innere Störungen wie Erkrankungen des
Hypothalamus, der Hypophyse, der Schilddrüse oder der Nebenniere können ebenso
eine Trächtigkeit verhindern oder abbrechen wie Stress oder Erkrankungen der
Gebärmutter durch Bakterien. Bakteriologische Untersuchungen der Gebärmutter können
erst nach Beginn des Proöstrus (Öffnung des Muttermundes) durch eine
Tupferprobe aus der Scheide bestimmt werden. Hier empfiehlt sich die
Untersuchung bereits in den ersten drei Tagen der Läufigkeit durchzuführen, um
entsprechend des Laborergebnisses bei Problemkeimen noch vor dem Deckakt eine
antibiotische Behandlung durchgeführt und abgeschlossen zu haben. Nur so kann
eine Beeinträchtigung der Follikel und des Spermas verhindert werden sowie die
rechtzeitige Abheilung möglicher Gebärmutterveränderungen ermöglicht werden.
Stress der Hündin ist auch ein nicht zu unterschätzender Faktor bei einem
erfolglosen Zuchteinsatz. Durch Stress bei weiten Fahrten zum Deckrüden oder
durch Zwangsmaßnahmen bei deckunwilligen Hündinnen kann eine Ovulation
ausbleiben. Dies ist besonders bei Deckakten zu Beginn der Paarungsbereitschaft
noch vor der Ovulation (= ca. 2. Tag) zu beachten. Eine bis zu diesem Zeitpunkt
normal verlaufende Läufigkeit führt nicht zu dem erfolgreichen Zuchteinsatz,
da das Fehlen des Eisprunges eine Trächtigkeit ausschließt. Eine
vaginalzytologische und vaginoskopische Untersuchung sowie der Progesterontest können
eine stattgefundene Ovulation nachweisen.
Da die Befruchtung erst 2 - 3 Tage nach der Ovulation erfolgen kann, besteht
dann noch genügend Zeit zur Planung der Fahrt.
Bei Problemhündinnen in der Zucht empfiehlt sich das folgende
Untersuchungsschema:
1. Zu Beginn der Läufigkeit (1. - 3.Tag)
Tupferprobe für eine bakteriologische Untersuchung.
Bei pathologischem Befund erfolgt eine antibiotische Behandlung noch vor der
Bedeckung.
2. Vaginoskopische und vaginalzytologische Untersuchungen
der Hündin in 2 - 3tägigen Abständen ab dem 7. Tag (evt. ergänzende
Progesteronbestimmungen) um den Ovulationszeitpunkt zu bestimmen. Hieraus ergibt
sich der Zeitpunkt der Bedeckung (2. - 5.Tag
nach der Ovulation).
Trächtigkeit
Befruchtung
Wie im Abschnitt Läufigkeit der Hündin beschrieben, erfolgt in der Phase
der Paarungsbereitschaft
(Östrus) der Eisprung (Ovulation). Die von den Eierstöcken (Ovarien)
freigesetzten Eier
(Follikel) benötigen bis zur Befruchtung noch eine Reifungszeit von 2 Tagen.
Die Befruchtungsfähigkeit
besteht dann über 3 - 4 Tage. Dies bedeutet, eine optimale Bedeckung findet am
2. - 5. Tag nach dem Eisprung statt. Eine Großzahl der Hündinnen wird vom 2.
Tag vor dem Eisprung
bis 2 Tage nach dem Eisprung belegt.
Einnisten in der Gebärmutter
7 Tage nach dem Eisprung kommen die befruchteten Eizellen in der Gebärmutter
(Uterus) an,
verteilen sich gleichmäßig und am 16. Tag erfolgt das Einnisten in der Gebärmutterschleimhaut
und auch die Ausbildung des Mutterkuchens (Plazenta), der sich gürtelförmig um
den
wachsenden Embryo an der Gebärmutterschleimhaut befestigt und die Versorgung
des Embryo
übernimmt. Bis zum 35. Tag der Trächtigkeit sind die runden Früchte von der
Gebärmutter
einzeln eingeschnürt und, wie eine Perlenkette aufgereiht, fühlbar. Besonders
zwischen
dem 24. und 28. Tag der Trächtigkeit sind die 1 - 2 cm großen Ampullen fühlbar.
Trächtigkeitsnachweis
Zum Trächtigkeitsnachweis können verschiedene Methoden herangezogen
werden.
Die abdominale Palpation zwischen dem 24. - 28. Tag lässt 1 - 2 cm große
kugelige Wölbungen
ertasten. Nach dem 35. Tag sind aufgrund der Vergrößerung der Gebärmutter
keine Befunde zu
erheben. Bei fetten, verkrampften und unruhigen Tieren ist diese Methode
schwierig, auch die
Gefahr der Schädigung durch unsachgemäße Ausführung sollte nicht unberücksichtigt
bleiben.
Heute bietet die Ultraschalluntersuchung nach dem 21. Tag, am besten ab dem 28.
Tag, eine gefahrlose
Methode des Trächtigkeitsnachweises, die auch eine Vielzahl von Informationen
über
den Trächtigkeitsverlauf (Anzahl, Entwicklungszustand, Vitalität) erkennen lässt.
Der röntgenologische Nachweis der Trächtigkeit sollte wegen den möglichen Schäden
des
Feten durch die Strahleneinwirkung erst nach dem 50. Tag durchgeführt werden.
Die für Röntgenaufnahmen notwendigen skelettalen Anteile des Feten sind erst
ab dem 43. Tag sichtbar.
Trächtigkeitsdauer
Die klinische Trächtigkeitsdauer wird mit 63 Tagen angegeben. Dabei sind
Schwankungen von
56 - 72 Tagen als normal anzusehen. Dieser Zeitraum bezieht sich auf die Zeit
zwischen der 1.
Bedeckung und der Geburt. Der Zeitraum zwischen Eisprung und Geburt beträgt 62
- 64 Tage
und ist konstanter. Die großen Schwankungen der klinischen Trächtigkeitsdauer
beruhen auf
den unterschiedlichen Zeitspannen zwischen Deckakt und Ovulation. So haben Hündinnen,
die vor dem Eisprung belegt werden, eine verlängerte Trächtigkeit von 66 - 68
Tagen. Ist die
Hündin nach der Ovulation belegt, verkürzt sich die Trächtigkeitsphase auf 58
- 60 Tage.
Aufrechterhaltung der Trächtigkeit durch Hormone.
Bereits für den genauen Decktermin wird der Progesteronspiegel beobachtet. Zunächst
überwiegt
der Östrogeneinfluß der heranwachsenden Follikel an den Eierstöcken. Die höchsten
Konzentrationen werden kurz vor dem Eisprung erreicht und bewirken die
Anschwellung der
äußeren Geschlechtsorgane.
Nach dem Eisprung steigt die Produktion von Progesteron durch die am Eierstock
befindlichen
Gelbkörper an. Die höchsten Werte werden 20 - 30 Tage nach der Ovulation
gemessen.
Ein durchgängig hoher Progesterongehalt ist zur Aufrechterhaltung während der
gesamten
Trächtigkeit zwingend nötig. Progesteron verstärkt die Gewebeanbildung in der
Gebärmutter
und fördert die Ernährung der Früchte. Es sorgt für einen Verschluss des
Muttermundes und
verhindert eine frühzeitige Gebärmutterkontraktion, dessen Folge ein Trächtigkeitsabbruch
(Abort) wäre. Erst gegen Ende der Trächtigkeit sinkt der Progesteronspiegel.
Durch den jetzt
wieder steigenden Östrogeneinfluß werden die Geburtswege auf die nahende
Geburt vorbereitet.
Durch Östrogene werden die Milchdrüsen angebildet. Die Muskulatur der
Geburtswege erschlafft unter diesem Hormon ebenso wie das gesamte Gewebe
aufgeweicht und somit geschmeidig wird.
Temperaturkontrolle
Während der Trächtigkeit beträgt die Körperinnentemperatur der Hündin ca.
38,5 - 39,0 Grad
Celsius. Diese leichte Temperaturerhöhung wird auf die hohe
Progesteronkonzentration zurückgeführt.
Gegen Ende der Trächtigkeit (8 - 10 Tage vor der Geburt) sinkt, ebenso wie der
Progesteronspiegel, auch die Temperatur auf zunächst 38,0 Grad ab. 24 - 36
Stunden vor der
Geburt stürzt der Progesteronspiegel nochmals steil ab. So ist auch der
Temperaturabfall 24
Stunden vor der Geburt um 1 Grad auf 37 Grad zu erklären. Die Temperatur steigt
danach
wieder an und kann während der Geburt bis zu 40 Grad erreichen.
Durch zweimal tägliche Temperaturkontrolle und deren Protokollierung ab dem 50.
Tag der
Trächtigkeit kann dieser Abfall bei der überwiegenden Zahl der trächtigen Hündinnen
festgestellt
werden und so eine bevorstehende Geburt frühzeitig erkannt werden Diese
Temperaturkontrolle
ist besonders bei Hündinnen mit sehr kleinen (1 - 2 Welpen) oder sehr großen
Würfen empfehlenswert, da diese am häufigsten zu Wehenschwächen neigen.
Die Geburt
Geburtsauslösung
Die Geburt wird unterteilt in die Vorbereitungs- und Eröffnungsphase sowie die
Austreibungsphase.
Der direkten Geburtsauslösung werden dabei vor allem drei Punkte zugerechnet:
1. Durch verschiedene Hormonsteuerungen wird im Welpen und im
Muttertier vermehrt
Cortisol gebildet. Dieses Hormon unterstützt die Östrogenwirkung und hemmt die
trächtigkeitsunterhaltende Wirkung des Progesterons. So löst sich gegen Ende
der
Trächtigkeit der Gelbkörper am Eierstock auf, seine Progesteronbildung sinkt.
Durch die
zunehmende Östrogenwirkung werden die Geburtswege schlaffer und weicher.
2. Das Geburtsgewicht der Welpen. Kleine Rassen mit weniger
Welpen haben im Vergleich
zum Körpergewicht des Muttertiers einen höheres Geburtsgewicht. Ebenso sind
bei
gleich großen Muttertieren die Trächtigkeit bei der Hündin mit der größeren
Welpenzahl
kürzer.
3. Gebärmutter - Mutterkuchen - Überlastung. Durch das
Welpengewicht wird die Gebärmutter
und der Mutterkuchen überdehnt und so die Geburtseinleitung aktiviert.
Eröffnungsphase
In der Eröffnungsphase kommt es unter der Hormoneinwirkung zu
leichten Kontraktionen der
Gebärmutter. Diese Eröffnungswehen beginnen vor dem hintersten Welpen und
laufen zum
Muttermund. Dadurch wird dieser Welpe langsam aus seiner Verankerung mit der
Plazenta gelöst
und gegen den Muttermund gedrückt. Durch diesen mechanischen Druck öffnet sich
der
Muttermund.
Zu diesem Zeitpunkt ist der Welpe noch von beiden Fruchthüllen umgeben. Diese
Wehentätigkeit
ist nicht sichtbar und kann nur an der Unruhe der Hündin, Nestbau, Hecheln oder
dem
Umschauen zu den Flanken erkannt werden. Bei manchen Hündinnen ist ein klarer
Schleimaustritt aus den Schamlippen sichtbar, dieser kennzeichnet die Öffnung
des Muttermundes durch das Ablösen des Cervixpfropfes, der während der Trächtigkeit
den Muttermund verschließt. Diese Phase der Geburt kann 6 - 12 Stunden,
manchmal bis zu 36 Stunden dauern. Dabei ist noch kein Austritt von Fruchtwasser
sichtbar.
Austreibungsphase
Ist der Welpe durch den Muttermund in die Scheide vorgeschoben
worden, beginnt die Austreibungsphase.
In der Regel zerbirst die äußere Fruchthülle beim Eintritt in die Scheide,
der
Austritt der Flüssigkeit ist für eine verbesserte Gleitfähigkeit in der
Scheide wichtig. Durch den
Eintritt des Welpen in die Scheide werden reflektorisch die Austreibungswehen
ausgelöst, die
durch deutliche Bauchpressen verstärkt werden.
Zwischen Platzen der äußeren Fruchthülle und dem Austreten des Welpen können
10 Min.
(manchmal bis zu 60 Min.) vergehen. Ca. 60 % der Welpen werden mit dem Kopf
voran geboren
(Vorderendlage), beim Hund ist jedoch auch die Hinterendlage ohne Geburtsstörungen
möglich.
Der Welpe sollte mit der Wirbelsäule nach oben (obere Stellung) geboren werden,
denn so
kann er sich besser der Krümmung des Geburtskanales anpassen. Bei der unteren
Stellung
(Welpe liegt mit dem Rücken nach unten) oder Steißlage (Hinterendlage mit
angewinkelten
Hintergliedmaßen) kann es zu Geburtsstörungen durch den größeren Umfang des
Welpens
kommen. Das gleiche gilt für Welpen in Vorderendlage mit am Brustkorb
anliegenden Vordergliedmaßen.
Ist der Welpe geboren, beginnt die Hündin ihn sofort durch Belecken von den
restlichen
Fruchthüllen zu befreien. Dies ist besonders im Kopf- und vor allem
Nasenbereich wichtig, bevor
der Welpe die ersten Atemzüge macht. Nur so kann ein vermehrtes Einatmen von
Fruchtwasser
und die dadurch bedingten Atembeschwerden verhindert werden. Die Hündin
durchbeißt
die Nabelschnur und trennt den Welpen damit von der in der Regel noch nicht
ausgeschiedenen
Plazenta.
Durch den Zug des Welpens auf seinem Weg durch den Geburtskanal und den
Hormoneinwirkungen
löst sich die Plazenta aus ihrer Verankerung mit der Gebärmutterschleimhaut.
Bei
dieser Ablösung kommt es zu kleinen Blutungen und Blutergüssen, bei denen der
Blutfarbstoff
Uteroverdin freigesetzt wird. Dieser Farbstoff führt zum Auftreten des grünlichen
Ausflusses.
Die Plazenta sowie Reste der Fruchthüllen werden als Nachgeburt in der Regel 5
- 15 Min.
nach der Geburt eines jeden Welpens ausgeschieden. Die Hündin frisst diese
Nachgeburt normalerweise
auf, ebenso wie sie das Geburtslager durch Auflecken des Fruchtwassers sauberhält.
Durch das kräftige Belecken fördert die Hündin die Atmung des Welpens sowie
die Darmtätigkeit
und Ausscheidung. Bei mehreren Welpen erfolgt die Geburt abwechselnd aus dem
rechten
und linken Gebärmutterhorn. Es können mehrere Welpen im Abstand von ca. 15
Min. geboren
werden, oftmals folgt dann eine Pause von bis zu 4 (evt. 6) Stunden ohne Unruhe
und Austreibungswehen.
Die Hündin liegt dabei ruhig und versorgt ihre geborenen Welpen. Die Gesamtzeit
der Austreibungsphase sollte für die Geburt aller Welpen 12 Stunden nicht überschreiten.
Geburtsstörungen
Als Geburtsstörungen sind alle geburtsverlängernden Störungen anzusehen.
Wichtig zur Erkennung
von Geburtsstörungen ist die genaue Beobachtung der Hündin sowie der Zeitpunkt
der Eröffnungsphase.
Die Trächtigkeit der Hündin sollte nicht länger als den 72. Tag nach der
Belegung andauern.
Bei Austritt von grünlichem Sekret ohne Geburt eines Welpen muss mit dem Ablösen
einer
Plazenta aus der Gebärmutterschleimhaut gerechnet werden. Jeglicher abnormer
Scheidenausfluss,
blutig, eitrig, stinkend, gilt als alarmierendes Zeichen.
Die Dauer der Eröffnungsphase beträgt in der Regel 6 - 12 Stunden (bis zu 36
Stunden), dabei
ist nur die Unruhe der Hündin, Hecheln, Zittern und Umschauen zur Flanke
sichtbar. Viele
Hündinnen fressen in dieser Phase nicht mehr oder erbrechen nach zuvor
erfolgter Fütterung.
Dies ist nicht als Geburtsstörung oder Wehenschwäche zu interpretieren.
Eine unsachgemäße Gabe von wehenfördernden Medikamenten kann in dieser Phase
die eigentliche
Geburtsstörung auslösen. Die Gebärmutter verkrampft sich durch die zu frühe
oder
zu hohe Gabe eines Wehenmittels, ein Austreiben der Welpen ist dann nicht mehr möglich.
Nach dem Austreten des Fruchtwassers sollte der Welpe nach 30 Min. Pressen
geboren sein.
Eine Verzögerung oder ein Abbrechen dieser Austreibungswehen sind als schwere
Geburtsstörungen
anzusehen. Die Ruhephase der Hündin zwischen zwei Welpen sollte nicht mehr als
vier Stunden betragen. Die Austreibungsphasen sollten innerhalb von zwölf
Stunden abgeschlossen
sein.
Die Hündin nach der Geburt
Nach der Geburt beginnt für die Hündin die Phase des Puerperiums, in der die
Gebärmutter
wieder zu ihrer ursprünglichen Größe zurückgebildet wird.
Äußerlich sichtbar ist die frühe Phase mit dem Lochialfluss der Hündin.
Dieser Ausfluss ist
ähnlich der Läufigkeitsblutung. Er enthält Reste der Plazenta sowie
abgestorbene Zellen und
Ausscheidungen der Uterindrüsen. Der Lochialfluss sollte geruchlos sein,
anfangs verliert die
Hündin größere Mengen grünlich-schwarzes, wässriges Sekret. Ab der 2. Woche
wird der Ausfluss
weniger, das Aussehen ist lachsfarben und schleimig.
Mit 4 Wochen sollte der Ausfluss beendet sein, die Gebärmutter ist dann wieder
auf die ursprüngliche
Größe zusammengezogen. In den folgenden 2 Monaten werden die Zellendefekte
in der Uterusschleimhaut ausgebessert. 3 Monate nach der Geburt ist die Gebärmutter
wieder
funktionstüchtig für eine weitere Trächtigkeit.
Die Welpen nach der Geburt
Die Welpenaufzucht wird in vier Phasen unterteilt.
1. Neonatalphase
Phase von der Geburt bis zum 2. Lebenstag
2. Saugphase
Zeit bis zum Anfüttern
3. Beifütterungsphase
beginnend mit 3-4 Wochen nach der Geburt
4. Absetzen
zwischen 6. - 8. Lebenswoche
Geburtsgewicht
Das Geburtsgewicht von DSH-Welpen beträgt nach eigenen Aufzeichnungen zwischen
450
und 700 g. Bei niedrigeren Wurfstärken sind die Einzelgewichte höher.
Verluste
14% der befruchteten und in der Gebärmutter eingenisteten Follikel sterben während
der
Trächtigkeit ab und werden in der Gebärmutter resorbiert. Bei 3 - 5% der
Geburten kommt es
zu Geburtsstörungen, die Anzahl der toten Welpen wird mit 5 - 7% (bei größeren
Rassen
höhere Todesrate) angegeben. Die Gesamtverluste bis zur 6. Lebenswoche werden
in der Fachliteratur
mit 35% angegeben, wobei mehr Rüden als Hündinnen sterben.
Atmung
Während der Geburt wird durch eine Sparschaltung der Körper des Welpen mit
weniger
Sauerstoff versorgt. Nur Gehirn und Herz haben weiterhin einen hohen
Blutdurchfluss. Direkt
nach der Geburt kann ein bis zu 30 Sekunden anhaltender Atemstillstand
auftreten, bis der
Welpe eine normale Atemfunktion zeigt. Die Hündin fördert die Atemfunktion
durch die Massage beim Belecken. Setzt die Atemtätigkeit länger als 30
Sekunden aus, wird von einer
Geburtsstörung gesprochen. Hier sollte vergleichend der Massage durch die Hündin
eine
lungen- und atemregulierende Unterstützung durchgeführt werden. Diese Unterstützung
sollte
bis zu 20 Minuten durchgeführt werden, bevor ein Welpe aufgegeben wird. Die
normale
Atemfrequenz eines Welpen beträgt 15 - 35 Atemzüge pro Minute.
Körpertemperatur
Die Körpertemperatur des Welpen beträgt bei der Geburt 37 - 38 Grad, sinkt
aber danach auf
35 - 37 Grad ab. Da der Welpe in dieser Phase keine ausreichende Körpertemperaturregulation
besitzt, ist er sehr stark von der Umgebungstemperatur abhängig. Dazu wird in
der 1. Lebenswoche
eine Umgebungstemperatur von 28 - 30 Grad empfohlen (2./3. Lebenswoche 24 - 26
Grad, ab 4. Lwo. 20 - 21 Grad Celsius). Es ist zu beachten, dass die
Rotlichtbestrahlung von
oben nicht nur eine wärmende, sondern auch eine stark austrocknende Wirkung auf
den
Welpen hat.
Immunsystem
Das schwach ausgebildete Immunsystem des Welpen wird in den ersten 3 Tagen überwiegend
durch die Kolostralmilch der Mutterhündin unterstützt. Die Darmschleimhaut des
Welpen ist
nur in den ersten 3 Lebenstagen für diese größeren Antikörper durchlässig.
Auf diesem Weg
werden 75% der Antikörper vom Muttertier auf den Welpen übertragen.
Nabelschnur
Die Nabelschnur trocknet innerhalb von 2 Stunden ab und fällt in
den nächsten 3 Tagen ab.
Augen und Ohren
Augen und Ohren sind bei der Geburt verklebt. Die Augen öffnen sich am 10. Tag,
sie haben zunächst
eine blaugraue Farbe. Mit 3 - 4 Wochen beginnt das Auge zu fokussieren, mit 4 -
6
Wochen ist die Sehkraft ausgebildet. Die Ohren öffnen sich um den 13. Tag.
Gewichtszunahme:
Das Geburtsgewicht der Welpen soll sich innerhalb von 10 Tagen verdoppeln, in
der 2. Lwo.
das 2 - 3fache und in der 3. Woche das 6 - 8fache des Geburtsgewichts betragen.